Der Abhörplatz

Um grundsätzlich die Basis für einen Mixerarbeitsplatz zu schaffen, ist es zunächst einmal wichtig den Raum akustisch zu behandeln (Siehe dazu die Seite Akustik). Wenn die Moden des Raumes gedämpft sind (speziell in den Ecken und den Reflexionsflächen) und die Klangenergie sich mittels Diffusoren im Raum verteilen kann, geht es an den Abhörplatz. Dazu habe ich unten die meiner Erfahrung nach wichtigsten Punkte zusammengestellt.

Die Monitorboxen sollen optimaler Weise im sogenannten Stereodreieck aufgestellt werden (siehe Schaubild). Die Boxen untereinander bilden dabei mit der Hörposition ein gleichseitiges Dreieck. Die Monitorboxen sind direkt zur Hörposition gerichtet (Empfehlung: Auf den Hinterkopf richten für eine räumlichere Abbildung).
Da die Hochtöner eine engere Abstrahlcharakteristik aufweisen wie die Mitteltöner, sollten die Boxen senkrecht aufgestellt werden und die Hochtöner ungefähr auf der Höhe der Ohren des Mixers sein. Ferner sollten die Monitorboxen einen ausreichenden Abstand zu den Wänden haben, um Frequenzüberlagerungen mit dem reflektierten Schall der Wand gering zu halten.

Gravity SP 3202 Monitorstative

Die akustische Entkopplung der Boxen von ihrem Auflageplatz wird oft unterschätzt. Wenn eine Box auf einem Studiotisch aufliegt, so werden sich unweigerlich gewisse Schwingungen auf die Tischplatte übertragen und den Tisch selbst ebenfalls zum Schwingen bringen. Die Wiedergabe wird dadurch nicht unerheblich verfälscht. Um dies zu vermeiden sollten die Boxen akustisch entkoppelt werden. Dies ist relativ günstig zu bewerkstelligen durch den Einsatz von Monitorstativen.

ISO Acoustics Boxenständer

Ein interessante Variante der Entkopplung (wenn auch verhältnismäßig teuer) sind Boxenständer der Firma ISO Acoustics (siehe rechts). Die Ständer sind speziell dazu entwickelt entworfen die Vibrationsenergie der Boxen nach vorne umzuleiten. Das Ergebnis ist ein präziseres Klangbild und zusätzlich natürlich eine gewissen Entkopplung von der Auflagefläche.

Der Effekt zeigt sich deutlicher bei größeren Boxen.

Nichtsdestotrotz empfehle ich hier zusätzlich Boxenstative.

Waves Studio 3

In größeren Studios finden sich oft mehrere Monitorboxen-Paare, die mittels einer Monitormatrix angesteuert werden können. Die Boxen-Paare haben dabei in der Regel unterschiedliche Größen.  Ein kleines Boxenpaar im Nahbereich, ein größeres Boxenpaar etwas weiter weg vom Abhörplatz und ein weiteres sehr großes weiter weg vom Abhörplatz. Letzteres eventuell mit Subwoofer. 

Im Abbey Road Studio 3 Plugin von Waves ist dies für dies ausschließliche Verwendung von Kopfhörern emuliert. 

 

Was hat es damit auf sich?

Höre eine größere Anzahl unterschiedliche Mixe über das Plugin und schalte dabei des Öfteren zwischen den Boxenpaaren NEAR, MID und FAR hin und her. Du wirst unweigerlich bemerken, dass bei den besseren Produktionen das Klangbild besser skaliert. 

 

Was meine ich mit dieser Skalierung?

Beim Umschalten von kleineren Boxen zu den größeren Boxen scheint sich das Klangbild proportional zu den Wiedergabe-Fähigkeiten der Boxen kontinuierlich zu entfalten. 

 

Beispiel: Auf den kleinen Boxen höre ich einen gewissen Bassfrequenzbereich relativ schwach, da die Boxen diesen auch nicht gut wiedergaben können. Auf den größeren Boxen höre ich den Frequenzbereich etwas mehr und dazu noch etwas mehr Untertöne.

Falls dem nicht so ist, kann es sein, dass der Bassbereich eines Instrumentes unausgeglichen ist und nur auf bestimmten Boxen, die dort nah an ihrer Grenzfrequenz sind noch gut wiedergegeben wird. In diesem Fall skaliert der Mix nicht so gut.


Was anfangs wie ein Binsenweisheit klingt, ist aber alles andere als selbstverständlich. Mit dem Plugin von Waves ist zu erkennen, wie sich hier die Spreu vom Weizen trennt. Mixe, die gut skalieren sind besser zu mastern und klingen auf mehr Wiedergabesystemen gut Sie sind schlecht skalierenden Mixen einfach überlegen.

 

Ein gutes Beispiel für die Skalierung ist der Song "Thriller" von Michael Jackson.

 

 

 

 

Presonus Monitor Station V2

Die Monitor Station V2 von Presonus ist eignet sich um drei Boxenpaare und vier Kopfhörer mit jeweils unabhängigen Lautstärken ansteuern zu können. Wahlweise können auch unterschiedliche Signalquellen angewählt werden. Die Matrix bietet außerdem eine Dim-Funktion mit der das Signal kurzfristig lauter bzw. leiser erklingen kann.


Die Matrix stellt eine verhältnismäßig kostengünstige Möglichkeit dar, um eine Monitormatrix anzusteuern. Sie ist einfach aufgebaut und komfortabel zu bedienen.

Letzteres ist ein wichtiges Kriterium, da das auditive Gedächtnis von sehr kurzer Dauer ist.

Neumann KH 120 A

Die Neumann HK 120 A sind Fullrange-Boxen im mittleren Preissegment.

Der Klang ist ausgeglichen und für ihre Größe weisen diese Boxen eine erstaunliche Basswiedergabe auf.

Geithain RE-906

Die Geithain RE-906 sind von ihrer Konstruktionsform einer sogenannten Punktschallquelle ähnlich. Die Wiedergabe ist äußerst linear. Obwohl die Boxen hauptsächlich in Rundfunkübertragungswagen eingesetzt werden, sind sie auch für das Mixen hervorragend geeignet.

Die Neuauflade der Auratones

Die Auratones sind ein alter Boxenklassiker, der inzwischen neu aufgelegt worden ist. Es handelt sich bei den Nachfolgern der Firma Auratone selbst  um passive Einwegboxen. Ein Verstärker ist also noch zusätzlich erforderlich. Andere Nachfolgemodelle sind aktiv.

 

ACHTUNG: Es gibt mehrere Nachfolgemodelle von den legendären Auratones (u.a. Varianten von Avantone und Behringer)! Obwohl sich alle Nachfolgemodelle auf die legendären Auratones berufen, sind ihr Klangbild und ihr Verhalten gänzlich unterschiedlich. Die eigentlichen Vorteile, die den originalen Auratones nachgesagt werden (Lautstärken-Einstellung, Klangreferenz kleinerer Wiedergabesysteme), gelten meiner Erfahrung nach nicht bei allen Nachfolgemodelle.


TIPP: Die Neuauflage von Auratone selbst funktioniert für meines Erachtens am besten.

 

 

Reference 4 von Sonarworks

Ein weiteres Thema ist das Einmessen des Abhörplatzes.

Dabei werden Testsignale (oft Sinus-Sweeps) über die Boxen abgespielt und an klar definierten Positionen im- und um den Sweetspot des Abhörplatzes mit einem Messmikrophone aufgenommen. Eine entsprechende Software ermittelt daraus eine Equalizer-Korrekturkurve, welche speziell für diesen Raum den Frequenzgang auszugleichen versucht. 

 

Die Raumkorrektur kann dann als Plugin während des Mixprozesses im Masterbus eingesetzt werden. Beim finalen Mixdown muss das Plugin dann aber unbedingt deaktiviert werden, da die Korrektur ja nur für den individuellen Abhörplatz gedacht ist. 

 

Nach meiner Erfahrung lässt sich der Klang mittels einer solchen Software sehr wohl etwas linearer gestalten. Wunder sind hier aber nicht zu erwarten und sie ist ganz sicher kein echter Ersatz für die Optimierung der Raumakustik (auch wenn dies aus Marketinggesichtspunkten immer wieder versprochen wird).

 

Ich rate auch dazu abzuwägen, ob die gewonnenen Linearität genug Vorteile bietet im Vergleich zum vermutlich aufwändigeren Workflow (speziell bei einer Monitormatrix). Nichtsdestotrotz lohnt es sich den Unterschied zu einer eingemessenen Anlage einmal selbst zu kennenzulernen. 

CARMA-4 von Audionet (Kostenlos)

Das Einmessen des Raumes gibt Auskunft über den Frequenzgang am Abhörplatz. Damit ist jedoch noch nicht klar welche Frequenzbereiche sich wie lange im Raum halten können und welche Moden im Raum besser gedämpft werden sollten. Mittels der kostenlosen Software CARMA-4 von Audionet kann dies im Wasserfalldiagram dargestellt werden (siehe Schaubild). Die typischen Probleme liegen fast immer im Bassbereich - daher lohnt es sich immer zuerst einmal die tieferen Frequenzen mittels Bassfallen zu dämpfen. Außerdem offenbaren sich im Diagramm auch Raummoden, die durch die Geometrie des Raums und seine in ihm befindlichen stehenden Wellen entstehen. Klangkörper (z.B. eine Akustikgitarre), die im Raum mitschwingen, erzeugen ebenfalls Probleme.

 

Bassfallen schaffen hier Abhilfe (siehe auch Akustik). Bassfallen sind Breitbandabsorber, d.h. sie dämpfen auch höhere Frequenzen. Generell ist eine Nachhallzeit von unter 0,3 Sekunden anzustreben. Dieses Ziel sollte für Frequenzen über 500 Hz angestrebt werden. Eine gleichmäßige Nachhallzeit von unter 0,3 Sek  über den gesamten Frequenzbereich ist kaum machbar, da jede Bassfalle, gleichzeitig auch höhere Frequenzen dämpft.

 

Ein wichtiger Tipp: 

Die Ausstattung mit Bassfallen verbessert das Klangbild und die Darstellung von Details nur bis zu einem bestimmten Punkt!

 

Wahrscheinlich ist dieser Punkt zwar erst erreicht, wenn Bassfallen in allen Raumecken stehen und auch die Raumdecke Bassfrequenzen dämpft. Von dort an wird sich jede Ergänzung allerdings kontraproduktiv auswirken.

 

Der Klang wird zwar immer trockner, jedoch klingen die Höhen irgendwann zu dumpf  und die Akustik des Raumes  wandelt sich von "natürlich, trocken" zu "unnatürlich, tot". In letzterem Zustand wirkt Musik leblos und die akustische Dämpfung fängt an gegen die Dynamik in der Musik anzuarbeiten:

 

Der Klang und das Verhalten von Kompressoren ist dann kaum noch zu beurteilen. Equalizer und Kompressoren klingen dann alle ähnlich und es lassen sich keine vernünftigen Mixentscheidungen mehr treffen. 

 

Daher empfehle ich folgende Vorgehensweise: 

Mittels CARMA-4 die Frequenzpropagation im Raum sichtbar machen, Bassfallen aufstellen und immer wieder nach Try- and Error Prinzip nachkontrollieren.

Zusätzlich zum Diagramm den Klang der eigenen Sprechstimme im Raum kontrollieren.

Wenn es trocken, aber dennoch ganz natürlich und unverfärbt klingt, bist du auf dem richtigen Weg.

 

Wenn die integrierten Bassfallen bereits anfangen hörbar den Klang von Mitten und Höhen zu verändern, solltest du keine weiteren Bassfallen integrieren (vielleicht sogar wieder eine entfernen), sondern eher ein paar Diffusoren integrieren, die die Mitten und Höhen im Raum besser verteilen.

 

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© 2020 Mix my Song, Björn Schulz