Akustik

Die Akustik im Mixing- bzw. Mastering-Studio ist essentiell um auch nur die leiseste Chance zu haben, um einen guten Mix erstellen zu können.

Das Thema wird von Anfängern erfahrungsgemäß vollkommen unterschätzt, da sie im Alltag so gut wie nie die Erfahrung machen, wie ihre Musik in einem einen akustisch behandelten Raum klingt, welche Details sich dort offenbaren und wie sich augenscheinlich die Spreu vom Weizen trennen, wenn nämlich die Mixprobleme offenkundig hervortreten. 

 

Zerfallsspektrum

In einem akustisch unbehandelten Raum gibt es Raummoden (stehende Wellen, die bestimmte Frequenzen deutlich überbetonen oder auslöschen), längere Nachhallzeiten, die Details verschwimmen lassen und Materialien, die die Energie in unterschiedlichen Frequenzlagen unterschiedlich reflektieren oder absorbieren. 

 

Das Zerfallsdiagramm links (welches sich erstellen lässt, wenn man rosa Rauschen über sein Wiedergabesystem abspielt und mit einem Messmikrophon aufnimmt) stellt dar, wie sich Frequenzen über die Zeit in einem Raum propagieren.

Gut zu sehen sind die stehenden Wellen bei 50 Hz und 100 Hz, die durch stehende Wellen (s.g. Raummoden) im Raum entstehen. 

 

Merke: Equalizer Anhebungen oder Absenkungen von einigen Dezibel werden vollkommen überschrieben von den Raummoden, die von sich aus schon Frequenzüberhöhungen im zweistelligen Bereich bewirken. 

 

Dazu kommt noch, dass die verbreiteten HiFi-Lautsprecher das Ziel einer "schön klingenden" Wiedergabe verfolgen und Mixfehler eher zu verbergen versuchen, als diese gnadenlos und  unverfälscht darzustellen. Letzteres ist für einen Mixing- bzw. Mastering-Ingenieur jedoch notwendig, da er sonst nicht in der Lage ist Entscheidungen zu treffen. 

 

Wer einen Song in einem akustisch unbehandelten Raum mixt macht so gut wie immer eine oder mehrere der folgenden Erfahrungen: 

- Der Mix klingt nur auf dem Wiedergabesystem gut auf dem dieser gemixt worden ist
- Die Frequenzbalance variiert stark zwischen unterschiedlichen Wiedergabesystemen

- Manche Frequenzen sind überbetont - andere unterrepräsentiert
- Delays und Hallfahnen sind unpräzise

- Der Bassbereich läuft aus dem Ruder

 

Wie kommt es dazu?
 

In einem unbehandelten Raum sitzt du quasi in einem Cockpit welches dir kontinuierlich falsche Daten meldet.
Konkret heißt dies, dass du bei dem Zerfallsdiagram oben dazu tendierst, den Bass bei 50Hz und 100Hz übermäßig abzusenken
Den Bassbereich kannst du kaum differenziert hören und somit auch nicht adäquat bearbeiten. Delays, Hallfahnen und Sustain der Instrumente werden mehr oder weniger miteinander verschwimmen, sodass auch hier eine gezielte Bearbeitung kaum möglich ist. 

 

Die Lösung besteht darin deinen Raum akustisch zu behandeln.
Da die größten Probleme immer im Bassbereich liegen, erlangst du den größten Fortschritt, wenn du die Ecken deines Raumes mit sogenannten Bassfallen ausstattest. 

 

Bassfallen dämpfen Frequenzen des gesamten Frequenzspektrums und kommen dabei auch zu den tieferen Problemfrequenzen runter. 

 

Achtung: Es hält sich immer noch das Gerücht, dass Eierkartons oder Pyramidenschaumstoff eine gute Option seien. Die Wirkung von Eierkartons ist extrem gering und dämpft nur höhere Frequenzen. Pyramidenschaumstoff sieht sexy aus und hat eine etwas bessere Dämpfung. Dieser betrifft jedoch ebenfalls nur höhere Frequenzen  und lässt die Höhen unschön klingen. In einem ausschließlich mit Pyramidenschaumstoff gedämpften Raum habe ich die Erfahrung gemacht, dass Musik ihre Musikalität verliert.

 

Ich empfehle daher von vornherein mit Breitbandabsorbern zu arbeiten. Du wirst staunen, was mit jedem weiteren Absorber hörbar wird. Die Dämpfung sollte zuerst in den Ecken stattfinden, da sich dort die Energie der Bassfrequenzen staut. 

 

Als nächstes macht es Sinn die Stellen zu dämpfen, wo der Klang deiner Boxen reflektiert wird.

 

Der Boden sollte nicht gedämpft werden, da wir diese Art von Reflexionen als überaus natürlich empfinden und vermissen würden.
 

Das Ganze solltest du soweit vorantreiben, wie deine Musik auch noch musikalisch und natürlich klingt und auch nicht übertreiben.

 

Damit der Klang nun regelrecht den Raum ausfüllt solltest du auch sogenannte Diffusoren einsetzen. Dies macht zum Beispiel hinter deinem Mix-Platz Sinn. 

 

Diffusoren bewirken, dass die Energie der unterschiedlichen Frequenzen sich gleichmäßiger im Raum verteilt. 

 

Delay und Hall Effekte werden 3-dimensionaler abgebildet und der Sweetspot deines Mixplatzes vergrößert sich. 

Die Tiefendimension deines Mixes lässt sich jetzt besser beurteilen. 

 

TIPP: Experimentiere mit den Dämpfungsmaterialien und deren Positionierung. Oftmals kannst du - ohne mehr Geld zu investieren - deinen Raum noch etwas weiter optimieren. 

Die Raumakustik ist und bleibt DIE essentielle Grundvoraussetzung zum Mixen und Mastern.

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© 2020 Mix my Song, Björn Schulz