Lautstärken im Mix

Die Lautstärkeverhältnisse bilden die Basis eines Mixes und finden zu Beginn statt. 

Fehler bei den Laustärken lassen sich später nur schlecht korrigieren. Den Lautstärken kommt eine weitaus größere Bedeutung zu,  als gemeinhin angenommen wird. Dies geht bei weitem über die Erstellung des ersten Roughmixes hinaus.

 

Es gibt nämlich eine Menge weiterer Aspekte, Betrachtungsweise und Ebenen auf denen du die Lautstärken betrachten kannst. Und davon möchte ich dir im Folgenden erzählen.

Gleichberechtigung bei den Lautstärken - Nein Danke!

Stell dir vor: Du bekommst eine Menge von Spuren, die Musiker einer Band mit viel Herzblut eingespielt haben. Jeder Musiker ist nun stolz auf sein Ergebnis und möchte dies auch möglichst prominent im Mix vertreten wissen.

 

Wenn du nun allen Musikern gerecht werden möchtest und alle Instrumente möglichst gerecht oder gleichberechtigt in der Lautstärke haben möchtest ist der Gesamtmix bereits zum Scheitern verurteilt. Eine gute Band weiß das. Eine Band - die im inneren nicht funktioniert -möglicherweise nicht.

 

Bei diesem Versuch ist dann so, als würdest du alle Schauspieler eines Ensembles zum Hauptdarsteller machen. Das Ergebnis wäre, dass der Zuschauer nicht allen Akteuren gleichzeitig folgen kann, dass er das Stück nicht versteht und am Schluss verwirrt den Saal verlässt.

 

Nach welcher Strategie kannst du nun aber stattdessen die Lautstärken gewichten?

 

Zum einen sind wir in bestimmten Genres bestimmte Lautstärkenverhältnisse bereits gewohnt.


Beispielsweise spielt im EDM die Kick-Drum eine zentrale Rolle,  bei Singer-Songwriter Themen der Gesang und bei Blasmusik die Bläser, usw. 

 

Andererseits gibt es Elemente in der Musik, die einen Song grundsätzlich zum Funktionieren bringen wie der Groove, die Melodie, der Rhythmus. Diese Elemente müssen immer ein gewisses Gewicht haben, damit der Song funktionieren kann.

 

Um diese zu identifizieren, macht es Sinn Spuren wahlweise zu muten und zu prüfen ohne welche Spuren der Song nicht mehr funktioniert und welche ihn nur anreichern oder keine Verbesserung bringen.

 

Je nach Enge des Arrangements macht es Sinn die tragenden Spuren spektakulär erklingen lassen und den Rest passend zu machen oder zu versuchen jedes Instrument einzeln gut klingen zu lassen.

 

Wenn es darum geht in Erinnerung zu bleiben zählt besonders die Melodie, da sie am einfachsten nachgesungen werden kann und sich somit auch am einfachsten verbreiten kann.
 

Es kann auch ein bestimmtes Riff sein.

Beispiele dazu sind:
Satisfaction von den Rolling Stones,
Another one bites the dust von Queen oder
Smoke on the Water von Deep Purple. 

 

 

 

 

Kurzfristige Aufmerkamkeit

Wenn die Basislautstärken der tragenden Instrumente geklärt sind steht eine gewisse Struktur fest. Ab jetzt kommen dennoch nicht unbedingt nur noch leisere Instrumente dazu. 

 

Ab jetzt gilt es einzuschätzen, welche Funktion die kurzfristig eintretenden Klangereignisse im Song haben sollen. 
 

Diese können wie ein Effekt funktionieren, d.h. unauffällig dazu gemischt unterstützen (z.B. Crashbecken zu Beginn eines Parts).

Sie können den Zuhörer aber auch aufwecken und somit schlagartig seine Aufmerksamkeit fokussieren. Dies ist sinnvoll, wenn im Musikvideo eines Songs ein visueller Effekt auf einem Musiksignal beruht. Beim Anschauen des Videos würden wir ganz klar eine höhere Lautstärke erwarten.

 

Nochmals ein anderer Fall ist es, wenn ein Riff, eine kurze Gesangseinlage oder kurzer Part so ungewöhnlich und einzigartig klingt, dass er den Wiedererkennungswert des ganzen Songs bestimmt.

Beispiel: Hyper, Hyper von Scooter

 

 

 

Lautstärken innerhalb eines Parts

Innerhalb eines Spurenverbunds (beispielsweise den Instrumenten einer Gruppe) kann der Song nicht selten dadurch gewinnen, dass man sich ganz genau hineinfühlt und entscheidet, welche Teile des Arrangements, der Melodie oder des Rhythmus über welchen kleinen Zeitabschnitt hinweg in den Vordergrund oder Hintergrund treten sollen. 

 

Beispiel:
Höre dir das Intro in Chiquitita von ABBA an. Die Konzertgitarre beginnt. Das Klavier betont hier nur ganz dezent ein paar wenige Anschläge der Gitarre zum jeweiligen Taktbeginn, übernimmt dann mit höherer Lautstärke kurzfristig die Melodie, um dann zugunsten eines Pad-Sounds wieder etwas in den Hintergrund zu gehen und eine rhythmische unauffällige Untermalung zu spielen.

Du hört hier ein echtes Spielen mit Instrumenten, ihrer wechselnden Funktion im Arrangement und den dazugehörigen Lautstärken und es klingt fantastisch.

 

Allzu oft sehe ich Arrangements, wo kein Instrument seine Funktion im Song verlässt und monoton bei gleichbleibender Lautstärke bis zum Schluss durchspielt. Schade eigentlich. Was hätte man draus machen können …

Transitionen

Ein guter Dirigent steuert die Dynamik und Intensität des Orchesters ganz erheblich über die Dynamik und speziell die Transitionen in der Musik. 

 

Der Einfluss der Transitionen (Übergänge) auf den Zuhörer macht sich aber auch in allen anderen Genres bemerkbar.


Ein Instrument erscheint nicht einfach so, ohne dass ein gewisser Spannungsaufbau vorauseilt. Wenn es dann zu spielen beginnt, so erscheint es selbstbewusst und somit lauter, damit  er bemerkt wird und tritt dann vielleicht einen kleinen Schritt in den Hintergrund.

 

Ganz so, wie der Blick eines Menschen unbewusst zur Tür gleitet, wenn eine weitere Person einen Raum betritt. 

 

Ich kenne keinen Song, der nicht durch den dezenten Einsatz von Crescendi und Decrescendi dazugewonnen hat. 

 

Das Mittel der Wahl ist hier die Lautstärken-Automation im Mixer oder Fader-Kurven direkt auf den Audiospuren selbst.

 

 

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© 2020 Mix my Song, Björn Schulz