Lautstärken

Das Thema Lautstärke spielt beim Mixen und Mastern eine große Rolle. Es hat seinen Einfluss beim Aufnahmepegel und der verbundenen Noise-Signal Ratio, dem Gain Staging, den Lautstärkeverhältnissen im Mix, dem Unterschied zur Lautheit einer Instrumentenspur, der wahrgenommenen Lautstärke von Frequenzen bei unterschiedlichen Lautstärken (Fletcher-Munson Curves), der psychologischen Bewertung eines Klanges bei relativ veränderter Laustärke, sowie der technisch abbildbaren Lautstärke bei verschiedenen Bittiefen.

Mit dieser Aufzählung bin ich keineswegs am Ende. Im Folgenden möchte ich dir ein paar praktische Szenarien aufzeigen, bei denen eine Bewusstheit zu diesem Thema, dich weiterbringen wird und du ein paar typische Probleme von vornherein umgehen kannst. 

Lautstärke deiner Aufnahmen

Zu Zeiten analoger Mischpulte, Effektgeräten, Signalwegen und  Bandmaschinen war die Devise Aufnahmen möglichst laut auf das Band zu bekommen, um die sogenannte Signal-Noise-Ratio (den Lautstärkeunterschied zwischen dem Nutzsignal und dem unbeabsichtigten Rauschsignal) möglichst groß zu halten. Die damit einhergehende Sättigung des Signals, sowie die nichtlinearen Verzerrungen im Signalweg waren dabei nicht nur in Kauf genommen, sondern oftmals eine positive empfundene Signalverfälschung. Rauschunterdrückung ist beim heutigen Stand der Technik schon lange nicht mehr das primäre Ziel -  ganz im Gegenteil: Es gibt etliche Produktionen, die jegliche Art von Rauschen wieder in das Signal einzuschleusen versuchen (Tape- / Tube- Saturation, zugemischtes Vinyl knistern, dezent beigemischte Dschungelgeräusche).

 

 

 

 

 

 

 

Die passende Aufnahmelautstärke richtet sich heute nach anderen Kriterien: 

 

- Absolut kritisch und daher gleich zu Beginn genannt: Du darfst den Eingang deines digitalen Audiointerfaces auf keinen Fall übersteuern. 

- Optimaler Arbeitspunkt deines Analog/
Digital Audiowandlers ist meistens so um die -18 dbfs und somit ist dies ein guter Anhaltspunkt für den Eingangspegel. Wie gesagt ein Anhaltspunkt, denn wenn dein Signal starke Signalspitzen aufweist (e.g. Snare) musst du ja dennoch sicherstellen, dass die Transienten unbeschädigt durchgehen und somit die Aufnahmelaustärke etwas kleiner wählen. Bei Signalen mit geringem Transienten-Anteil hingegen kann der Aufnahmepegel etwas höher ausfallen. 

- Wähle eine Bittiefe über 24-Bit (Ich empfehle 32-Bit). Du könntest auch eine höhere Bittiefe (z.B. 64-Bit) wählen, jedoch muss dein Studiosetup schon auf sehr professionellem Niveau sein mit perfekt abgestimmter Akustik, damit du tatsächlich einen Unterschied hören kannst. In der Praxis würde dies eher bewirken, dass du DAW Ressourcen verschwendest, dein Projekt erheblich größeren Platzbedarf hat und du dir die Illusion kreiert hast, auf höchstem Niveau zu arbeiten, obwohl die eigentlichen Fallstricke für deine Produktion ans ganz anderen Stellen zu finden sind. 


Eine Bittiefe von 32-Bit erlaubt dir jedoch dein Signal sauberer im digitalen Signalweg zu fahren und Antialiasing-Effekte möglichst gering zu halten. 

 

 

Wenn du deine Instrumente nach diesem Prinzip in deine DAW gebracht hast, so hast du die Aufgabe des Gain Stagings bereits gemeistert. 
Das Gain Staging musst du natürlich ebenfalls berücksichtigen bei der Verwendung virtueller Instrumente, deren Signal überhaupt nicht den Eingang

deines Audio- Interfaces passiert.

 

Bei der Aufnahme selbst solltest du dir schon Gedanken zur Lautheit deines Musiksignals gemacht haben. Hier gilt es deutlich die Begriffe Lautstärke und Lautheit zu unterscheiden: Wenn ein Heavy Metal-Schlagzeuger mit aller Kraft auf seine Snare schlägt, so ist die Klangstruktur eine gänzlich andere wie bei einem Jazz Schlagzeuger, der mit geringer Energie auf das Fell schlägt. Transienten, Hüllkurve, Frequenzspektrum und Frequenzverlauf haben eine andere Gestalt. Die erste Snare wird hinsichtlich der Lautheit als lauter wahrgenommen, als die Zweite, selbst wenn beide Signale hinsichtlich der Lautstärke ähnlichen Pegel ausweisen sollten. 

 

Diese Betrachtung ist essentiell während der Produktion, denn später im Mix lässt sich nur noch wenig an der wahrgenommenen Lautheit verändern. Das Ergebnis ist, dass es am Ende nicht so richtig Grooven will oder der Mix als kraftlos wahrgenommen wird.


Fazit: Wenn dein Song also entsprechende Power haben soll, dann sollte dein Sänger mit voller Kraft ins Mikrophon singen, der Schlagzeuger das Schlagzeug entsprechend hart bearbeiten, der Pianist in die Tasten hauen und der Bassist die Saiten entsprechend anschlagen. 

Wie sieht es eigentlich mit der "Technik" in unserem Ohr aus?

Um es gleich vorweg zu nehmen: Alles andere als Linear. 

Das Schaubild links  (Fletcher Munson-Curves) illustriert den Zusammenhang aus wahrgenommener Lautstärke einer Frequenz bei unterschiedlichen Abhörlaustärken. Bei ca. 3 KHz ist unser Ohr besonders sensibel, bei geringerer Laustärke hören wir den Bassbereich schlechter. 

 

Interessant -  aber inwiefern betrifft mich dies beim Mixen?

 

Beispiel: 

Wenn du deinen Mix dauerhaft bei zu hoher Lautstärke bearbeitest, wird dein Ohr im Bassbereich vermutlich wenig vermissen bzw. bemerken. Wenn der Mix dann aber fertig ist und der Künstler sich den Mix im Autoradio anhört, kann es sein, dass der Bassbereich vollkommen unterrepräsentiert ist.  Die Lösung ist nun aber nicht generell nur noch bei geringer Lautstärke zu mixen, denn dann hast du das Problem nur umgekehrt (Der Bassbereich ist möglicherweise überbetont, und es fällt erst auf, wenn dein Kunde die Musik auf einer lauten Anlage hört).

Ich empfehle in diesem Fall beim Mixen immer wieder bei unterschiedlichen Lautstärken abzuhören. Beispielsweise die Lautstärke kurzfristig zu erhöhen, um den Bass gut hören zu können und klanglich zu bearbeiten und anschließend die Lautstärke wieder zurückzunehmen, um zu sehen, wie der Bass sich bei kleiner Lautstärke noch durchsetzen kann. 

Durch den Zusammenhang in den Fletcher Munson-Curves ist es nicht wirklich möglich bei allen Lautstärken genau dasselbe Klangbild zu haben (ein wenig effizienter Versuch waren die s.g. Loudness-Tasten an manchen Stereoanlagen), ABER du kannst unter Berücksichtigung derselben definitiv die Kohärenz deines Mixes verbessern sowie die Übertragbarkeit auf andere Wiedergabesysteme.

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