Level Matching

Level Matching beschreibt den Vorgang zwei Signale immer wieder zum Vergleich zuvor auf dieselbe Laustärke zu bringen. Was so einfach klingt wird in der Praxis in den meisten Fällen vergessen oder aber ignoriert (letzteres ist dann jedoch eine Art Selbstbetrug an deiner Wahrnehmung).

 

Das Problem ist, dass wir Signale automatisch als besser empfinden, wenn sie vergleichsweise lauter geworden sind. Wozu dies führt und wie du es von vornherein im Blick behältst erfährst du unten.

Der Klang im Kontext deiner letzten Änderung

Ganz ähnlich wie bei der Optischen Täuschung, setzt dein Gehör das Gehörte ebenfalls in einem Kontext innerhalb dessen es interpretiert. 

Während des Mixens ist dieser Kontext das zuletzt Gehörte. Somit wird dein Gehör dazu tendieren Änderungen, die die Lautstärke erhöhen positiver zu bewerten. 

Jede Erhöhung der Lautstärke nimmt dir jedoch auch netto etwas vom verbleibenden Headroom des Mixes und deiner Reserven den Mix am Schluss nahe an 0 dB zu Mastern.  Ob bei einer Änderung sich netto tatsächlich etwas verbessert hat ist somit nur zu beurteilen, wenn du die Änderung vorher und nachher bei gleicher Lautstärke vergleichst. 

 

Wenn du tatsächlich beginnst Level Matching zu betreiben, kann dies am Anfang recht frustrierend sein, da du bei vielen Änderungen feststellen wirst, dass sie netto eben doch keine Verbesserung gebracht haben und oftmals sogar eine Verschlechterung waren. Erfahrene Mixer wissen, dass die Kunst des Mixens darin besteht viele kleine echte Verbesserungen herbeizuführen. 

Auditiven Fokus

Deine Wahrnehmung und die damit verbundenen Mixentscheidungen werden aber auch von deinem auditiven Aufmerksamkeitsfokus beeinflusst.  Ich meine damit die bewusste Fokussierung auf einzelne Elemente des Mixes im Gegensatz zum Fokus, der den gesamten Mix betrachtet. 

 

Der Mond links erscheint groß, da sich deiner Aufmerksamkeit weniger auf die Landschaft konzentriert, als mehr auf den Mond selbst.

 

Die Analogie zum Mixen ist, dass du dem Versuch widerstehen musst, allzu viele Mixentscheidungen im Solomodus auf Instrumenten zu machen, sondern den Fokus tendenziell öfter auf der Summe haben solltest.

Der Mond wirkt im Bild wenig spektakulär, da sich das Auge nicht mehr auf den Mond fokussiert, sondern die gesamte Landschaft betrachtet.

 

Die Analogie beim Mixen ist, dass der Hörer deines Mixes immer und ausschließlich das Gesamtbild sieht, bzw. den fertigen Mix hört und nie die Einzelspuren.

 

Das Bild links wirkt insgesamt blass. Analog wirkt dein Mix möglicherweise farblos und unspektakulär, wenn du den Fokus zu selten auf die Summe gerichtet hast.

Das Bild wirkt insgesamt farbenfroh, obwohl der Mond als einzelnes Element nicht besonders auffällig ist. 

 

Es macht hier allerdings auch keinen Sinn ins Gegenextrem zu verfallen, d.h. absolut jede Änderung vom Level Matching her zu vorher zu prüfen, da dies dir den mentalen Fokus auf die Emotionen in der Musik nehmen würde. Es macht aber durchaus Sinn Level im Blickwinkel zu behalten. 

 

Sinnvoll ist es dazu ein LUFS Meter geöffnet zu halten und auf einem zweiten Bildschirm zu legen, sodass der Blick darauf immer frei ist. 

 

Alternativ bietet TC Electronic das Gerät Clarity M an, mit dem du Level wie auf einem Radar außerhalb deines Computerbildschirms verfolgen kannst.

Zusammengefasst: Level Matching ist essentiell, um keiner Selbsttäuschung auf dem Leim zu gehen.  Trainiere dich darauf jede Art Signal variable aus unterschiedlichen mentalen Distanzen zu hören und zu betrachten. Damit lernst du auch ein Gefühl zu entwickeln bei Konzepten wie Layering und Paralleler Kompression, welche immer mit einer erhöhten Lautstärke einhergehen.

 

Weiterhin empfehle ich Dir zu prüfen, ob dich dein Mix auch noch anspricht, wenn du ihn in deiner Vorstellung aus der Entfernung hörst. 

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© 2020 Mix my Song, Björn Schulz