Mixfehler

An dieser Stelle möchte ich eine Reihe von Mixfehlern auflisten, die ziemlich verbreitet sind.

 

Viele davon sind schlichtweg unnötig, manche durch Lücken im Workflow verursacht, manche einer unglücklichen Philosophie geschuldet oder dem Setup der Studioumgebung.

 

Schau dich um. Vielleicht kennst du einige der Themen und kannst etwas für dich ableiten.

Mixprobleme mit Ursache bei der Produktion

Mixfehler                                                                                             Folge                                                           Abhilfe                                                                                
Schlechte Samples  Aus schlechten Klängen lässt sich auch mit bestem Eqing nicht mehr viel herausholen. Wenn ein Sample schlecht klingende Transienten hat und auch die Hüllkurve keinerlei Charakter ausweißt sind dem Mixer Grenzen gesetzt. 

Eine Library mit wirklich guten Samples anlegen (z.B. Kicks / Snares / Claps / Snaps etc.). Wirklich gut klingende Basissamples brauchen im Mix oft nur wenig angepasst zu werden.

Timingprobleme bei Multitrack Recordings

Der Zuhörer ist ein hohes Niveau gewohnt was Timing-Ungenauigkeiten angeht. Die Aufmerksamkeit des Hörers wird unabdingbar von Timing-Probleme angezogen.

Bereits bei der Produktion mit Multitrack Recordings (wie  z.B. Background Vocals) muss genauestens auf das Mikro-Timing geachtet werden. Amateurproduktionen verraten sich am ehesten an Timing-Problemen.

Transtionen fehlen

Ohne Transitionen wirken Übergänge lustlos. Spannung wird nicht aufgebaut.

Crescendi/Decrescendi an den Übergängen dezent einbauen. Alternativ kann die Instrumentierung ausgedünnt werden. Drops und Woosh-Sounds können ebenfalls hilfreich sein.

Mindsetbedingte Mixprobleme

Mixfehler                                                                                             Folge                                                           Abhilfe                                                                                
Mix Effekte zu offensichtlich Die Aufmerksamkeit des Hörers wird vom Wesentlichen abgezogen Effekte subtil und dezent einsetzen
Der Versuch einen Klang nachträglich im Mix in etwas anderes zu verwandeln

Das Ergebnis klingt unnatürlich und wird als solches auch vom Hörer wahrgenommen.

Klang, Sample, Instrument und Spielweise sollte bereits in der Produktionsphase festgelegt werden.
Beispiel: Eine laut eingespielte Snare hat ein ganz anderes Klangbild verglichen mit einer leise gespielten Snare. Später im Mix lässt sich dies nur noch in geringem Maße korrigieren. Ebenso Schwach eingesungene Vokals lassen sich beim Mix ebenfalls nicht mehr in kraftvoll eingesungene Vokals abändern.

"I’ll Fix it in the Mix"-Mentalität

Vieles lässt sich nicht mehr im Mix korrigieren. Und falls doch, dann mit höherem Gesamtaufwand und geringerer Klangqualität.

Schlechte Tracks von vornherein nochmal verbessert einspielen. Viel mehr Zeit bei der Produktion einplanen als später beim Mixing und Mastering.

Der Versuch beim Roughmix alles gleichlaut auszubalanzieren Der Song wird nicht funktionieren. Letztlich wird kein einziger Track mehr wirklich gut herauszuhören sein, da alle Tracks miteinander um die Aufmerksamkeit kämpfen. Die wichtigsten Tracks identifizieren und diese deutlich lauter positionieren. Hier kann ein guter Referenzsong eine große Hilfe sein. 
Mixen nach Auge statt nach Gehör. Der Klang wirkt weniger emotional.

Den inneren Fokus auf das Gehörte richten und nicht auf Plugin-Anzeigen.

Mentalen Fokus auf die Änderung selbst statt auf die Änderung im Mix- Kontext richten Die Änderung erscheint größer als sie ist, wenn man den Fokus auf den Gesamtklang richtet. 

Wenig im Solo-Modus hören. Bei allen Änderungen den Fokus auf den Gesamtklang richten.

Organisationsbedingte Mixfehler

 

Mixfehler                                                                                                                                                                           Folge                                                           Abhilfe                                                                                
Fehlendes Gain Staging

Unnötige Übersteuerungen in einzelnen Kanälen. Plugins werden mit ungünstigem Pegel hinsichtlich ihres Sweetspots angesteuert. Dies resultiert in entsprechendem Klangverlust. Digital-Clipping falls externes Equipment eingebunden ist.

Konsequentes Gain Staging bei der Erstellung des Roughmixes betreiben.

Limiter am Ende des Masterkanals fehlt Unangenehmes Digital-Clipping auf der Summe.

Limiter einsetzen mit -0.3dB bis -0.1 dB am Ausgang des Masterkanals.

Dauerhaft zu lautes Abhören

Mixe erscheinen besser als sie eigentlich sind. Der Mixer betrügt sich um sein eigenes Urteilsvermögen.

Hauptsächlich mit gemäßigtem Pegel abhören. Kurzfristig auch mit höheren Pegel vergleichen.

Kein Dithering am Ende des Masterkanals

Klang-Einbußen bei Signalen mit besonders geringem Pegel (<-40db).

Dithering nicht vergessen.
Roughmix und Referenzmix laufen durch dieselbe
Mastering Effektebuskette

Der Referenzmix wird durch die Masteringkette quasi doppelt gemastert wiedergegeben und wird als Referenz somit unbrauchbar.

Songspuren alle auf einen Masterkanal vor der Stereosumme routen und dort die Mastering-Plugins platzieren. Den Referenzmix direkt auf die Stereosumme routen.

Auf Comping verzichtet

Das Ergebnis bleibt definitiv unterhalb seines inhärenten Potentials.

Tracks mehrfach einspielen und die besten Parts ausschneiden und verwenden (Comping anwenden).

Phasenfehler bei Mehrfach-Mikrofonierung nicht korrigiert.

Punch geht verloren. Klang wird indirekt und phasig.

Phasenfehler müssen behandelt werden. 

Mixfehler

 

Mixfehler                                           Folge                                                           Abhilfe                                                                                
Frequenzmaskierungen ungeprüft lassen Weniger Transparenz

Instrumente und Instrument-Gruppen gegeneinander auf Frequenzmaskierungen hin  prüfen.

Instrumente mit Hall zu weit in den Hintergrund fallen lassen statt Delay zu verwenden

Die Räumlichkeit hat keine klaren Konturen. Der Mix wirkt verwaschen.

Delays für die Räumlichkeit den Hallalgorithmen vorziehen (Ausnahme: Perkussive Instrumente).

Effekte nicht mit Equalizer bearbeit Der Effekt passt sich nicht optimal in den Gesamtklang ein Effekte können wie zusätzliche Tracks angesehen werden und sollten auch genauso beim Mischen integriert werden.
Zu starke Kompression Ungewolltes Pumpen, S-Laute treten zu stark hervor. Anfänge eine Phrase stecken unnatürlich hervor. Sanfte Kompression mit Gain Reduktion von wenigen dB ansetzen. Ggfs. Einsatz von serieller Kompression.
Überkomprimierte Masterspuren Der Mix klingt kraftlos.

Genre-spezifische Kompressionsraten beim Mastering anvisieren.

Workflowbedingte Mixfehler

Mixfehler                                                                                             Folge                                                           Abhilfe                                                                                
Kein EQ-Matching

Das Klangbild auf der Summe hat schwer heraushörbare Unebenheiten.

Eq-Matching in jedem Fall zumindest probieren.
Kein Backup / Zu seltenes Backup von Projekten

Irgendwann passiert dann doch der Super Gau -  ein Projekt lässt sich nicht mehr einladen und der ganze Mix ist verloren.

Viele DAWs bieten an automatisch Backups im Hintergrund zu erzeugen. Diese Option sollte in jedem Falle aktiv sein.
Kein Levelmatching

Der Mixer trifft schlechte Entscheidungen, die am Schluss den Klang eventuell sogar verschlechtern können und letztlich zu einem Overprocessing führen.

Durchgängig Levelmatching betreiben (Ausnahme: Das Entfernen von schmalen, störenden Resonanzfrequenzen.

Hauptsächlich im Solomodus arbeiten Tendenz jeden einzelnen Track klanglich bestmöglich aufzublasen, sodass letztlich wieder alle Tracks sich gegenseitig den Platz im Mix streitig machen.

Solomodus für Klangauswahl bei der Produktion und zum Editieren auf Spuren verwenden. Ansonsten alle Entscheidungen zu Mixverhältnissen auf der Summe treffen.

Tiefe Frequenzen unaufgeräumt Der Bass als treibende Kraft im Song wirkt diffus (meistens um 250 Hz).

Song mit einem Band-Pass auf den tieferen Mitten abhören und jene Tracks identifizieren die den Bass-Lauf diffus erscheinen lassen. Ggfs. in den störenden Tracks die tieferen Mitten etwas absenken (Frequency-Masking).

Mix nicht in Mono überprüft Monokompatibilität sinkt Kontinuierliches Gegenhören in Mono in den Workflow integrieren.
Mastering- und Mixingprozess vermischen Mixing- und Mastering-Entscheidungen behindern sich gegenseitig. Stichwort "Verschlimmbesserungen".

Beide Prozesse trennen. Am besten sogar von unterschiedlichen Personen ausführen lassen.

Kein Roughmix erstellt

Während des Mixprozesses kann nicht mehr garantiert werden, dass ein Fortschritt erreicht worden ist. 

Roughmix immer erstellen.
Keine Pause oder zu selten Pause gemacht

Das Urteilsvermögen zum Gehörten lässt nach.

Regelmäßig Pausen machen.

Zu lange an einer Spur gearbeitet

Der Fokus auf die Vision für den Song geht verloren.

Empfehlung: Nicht länger als 1,5 Minuten an einer Spur arbeiten. Besser ggfs. später auf dieselbe Spur zurückkommen.
Keine Mixreferenz verwendet Es fällt deutlich schwerer zu erkennen was ein Mix braucht. Schon beim Roughmix Referenzmixe zurate ziehen.
Kein Mixcheck über Kopfhörer Der Mix wird weniger spektakulär klingen über Kopfhörer. Regelmäßiges Gegenhören über Kopfhörer in den Workflow einplanen.

Kontextbedingte Mixfehler

Mixfehler                                                                                                                                                                                                   Folge                                                           Abhilfe                                                                                
Verwendung von Studiomonitoren mit einer gewissen Klangfärbung

Das Mixergebnis wird mit Sicherheit die Verfärbungen des Monitor/Kopfhörersetups gegen zu kompensieren und der Mix funktioniert ausschließlich auf der eigenen Umgebung.

Neutrale Studiomonitore und Kopfhörer verwenden.
Überproduzieren

Der Mix verliert die Frische und das Unkonventionelle. Das Klangbild wird matter.

Die Abhörsituation verbessern durch z.B. akustische Optimierung. Overprocessing ist meist eine Folge davon, dass die Mixumgebung es nicht erlaubt klare Entscheidungen zu treffen (Vorhandene Raummoden beeinträchtigen massiv die Wahrnehmung).

Zu wenige Highpassfilter verwendet

Der Mix klingt extrem boomy im Auto und auf ähnlichen Wiedergabeumgebungen.

Einsatz eines Subwoofers oder generell Frequenzen unter 50 Hz mit Highpass-Filter sicherheitshalber entfernen.

Nur auf einem Studiomonitorpaar mixen Der Mix wird möglicherweise auf kleineren Wiedergabesystemen nicht optimal funktionieren. Der Mix skaliert nicht optimal.

2-3 Monitorsysteme umschaltbar über eine Monitormatrix anschließen.
Konfigurationsbeispiel: 
1 x Auratone Monitor Box für den Roughmix und um das Frequenzzentrum des Mixes festzulegen /

2 x Nearfield Monitorboxen als Hauptreferenz / 

2x Farfield Monitorboxen mit Subwoofer

 

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© 2020 Mix my Song, Björn Schulz