Referencing

Unter „Referencing“ versteht man den fortwährenden Vergleich eines Songs im Mix mit anderen vergleichbaren Songs. Dazu werden meist Songs desselben Genres mit ähnlichem Tempo herangezogen, die außerdem noch möglichst gut klingen sollten. 

 

Das „Referencing“ wird selten von Anfängern gemacht -  bei den Profis ist diese Arbeitsmethodik immer dabei. 

 

Woran liegt das?

 

Nach meiner Erfahrung erfordert es zunächst einmal einiges an Mut sich dem Vergleich zu stellen und dabei zwangläufig die eigenen Fähigkeiten ungeschönt aufgetischt zu bekommen.

 

Die meisten aktuellen Chartproduktionen sind nicht zuletzt deshalb erfolgreich, weil sie bereits sehr gut gemixt sind und in sich gut funktionieren. Wer den Vergleich seines eigenen Mixes zum ersten Mal mit einem aktuellen Chart Hit wagt, der mag sich danach enttäuscht und entmutigt fühlen.

 

Da fällt nämlich auf einmal auf, dass die Kick im Groove doch nicht so gut funktioniert, der Gesang vergleichsweise dünn ist, der Bass wummert, die Bläser schrill klingen und der ganze Song in sich gar nicht richtig groovt. Erschütternd!

 

Aber genau das ist es, was das „Referencing“ so unglaublich hilfreich macht:

Es kontrastiert Gutes und Schlechtes im Mix und hilft die richtigen Entscheidungen zu treffen.  Und diese Entscheidungen basieren auf dem Vergleich mit den derzeit erfolgreichsten Künstlern auf dem Markt. Wir lernen von den Besten.

 

Dazu eine Anekdote: 

Ein Journalist fragte einmal Helmut Schmidt: "Warum haben sie damals so viel Geld in das Vorhaben investiert?"

Helmut Schmidt entgegnete: "Beantworten sie mir doch mal folgende Frage: Ist die Zahl 384 groß oder klein?"

Der Journalist verstand sofort: Ohne einen Vergleich ist eine Beurteilung unmöglich.

 

 

Songauswahl für das Referencing 

In allen Genres gibt es eine Reihe an Künstlern, die dieses am erfolgreichsten Präsentieren. Meistens sind diese Künstler deinen Auftraggebern bereits bestens bekannt. Im Idealfall bekommst du diese Info bereits beim Mixauftrag. Ansonsten lohnt es sich nachzufragen oder zu googeln.

 

Vor allem Wikipedia ist hier sehr hilfreich. 

 

Beispiel: "Vertreter des Genres Hardrock"

https://de.wikipedia.org/wiki/Hard_Rock

 

Beispiel: "Populäre Musik Genres"

https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_popular_music_genres

 

Music Map gibt dir eine Übersicht ähnlicher Künstler

https://www.music-map.com

Lautstärke der Referenz-Songs

Auch beim „Referencing“ ist das Prinzip des Level Matchings entscheidend, um einen adäquaten Vergleich zu haben. 

 

Da Hits heutzutage je nach Genre stark komprimiert gemastert werden, muss die Lautstärke zum Vergleich entsprechend der Lautstärke des Roughmixes reduzieren werden. 

 

Eventuell muss die Lautstärke beim Mixen nochmal nachträglich angepasst werden, da bei zunehmendem Einsatz von Kompressoren sich die Verhältnisse etwas verschieben.

 

Anwendung

Wer den Roughmix zu Beginn ohne Referenzvergleich erstellt, hat entweder bereits eine ganz genaue Vorstellung vom Endergebnis (und damit letztlich ja auch wieder einen Referenzsong im Kopf) oder ist der Gefahr ausgesetzt alle Tracks ähnlich zu gewichten. Letzteres führt zu  einem intransparenten Mix  und zersetzt letztlich auch den Groove.

 

Ich empfehle daher das „Referencing“ bereits bei der Erstellung des Roughmixes anzuwenden. Hier fällt nämlich schon auf, ob der Song mit den gewählten Lautstärkeverhältnissen funktioniert oder nicht.

 

Während des Mixprozesses lohnt sich natürlich ebenfalls immer mal ein Quervergleich. 

 

Beim Vergleichen von Mix und Referenzsong ist es wichtig im Hinterkopf zu behalten, dass der Referenzsong vermutlich bereits gemastert wurde und die Summe dann vermutlich auch schon  komprimiert ist. Ein gewisser Qualitätsunterschied ist daher vor dem Mastering unumgänglich.

 

Nichtsdestotrotz halte ich das „Referencing“ für einen der wichtigsten Techniken. Die Qualität meiner Mixe hat die Arbeitsweise jedenfalls deutlich nach vorne gebracht haben.

 

Seid also mutig! Es lohnt sich.

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© 2020 Mix my Song, Björn Schulz